Reu-O-Grande - Leo Top

2-kanalig

Eine Spezialanfertigung aus der berühmten Reu o Grande Serie - der Leo Top. Die besonderen Merkmale dieses handgearbeiteten Amps sind die außergewöhnliche Verarbeitung und die Zweikanaligkeit.

Sound 1: angelehnt an die alten F-Type Schaltungen wurde hier mit einer 3 Band Röhrenklangwaage eine Classic F- Type Schaltung kreiert jedoch mit einem besonders gezüchteten Daniel D intern, um auch einen klassischen Röhren- Clean- Glasscheiben- Sound zu bekommen. Dieser Kanal arbeitet ohne Mastervolumen.

Sound 2: Der schon bekannte und sehr beliebte Original Reu o Grande Sound gnadenlos- bluesig- rockig eben "texanisch" und mit Mastervolumen. Weiterhin kann für beide Kanäle ein Reu o Grande Volumenpedal angeschlossen werden um alles auch fließend stufenlos zu bekommen.

Die zwei Sounds sind per Hand oder Fußschalter umschaltbar. Das Holzgehäuse ist aus Fichtenmassivholz geleimt und mit dem Leo-"Fell" bezogen.

Das handfreiverdrahtete Verstärkerchassis (Silbersilikon-Verdrahtung!) ist aus 2 mm Aluminiumblech gearbeitet und hochglanz- poliert. Der explosive und sehr dynamische Amp wurde auf speziellen Wunsch des schon bekannten Nachwuchs Singer/ Songwriters Mark Spiegel angefertigt und kostet 2050,- €. Mark Spiegel benutzt seit ca. 5 Jahren ausschliesslich Leo Amps. Er war vom Sound der Leo Amps so begeistert, daß er seine neue Band Leo nannte.

Leistungen siehe AGB

Preise

Passende 2x12er-Box

Passende 2x 12er-Box, Fichtenholz / offen, im Leo-Design mit 2 verschiedenen Eminence-Speakern.

Leistungen siehe AGB

Preise

Testbericht aus "Gitarre&Bass"

Was manch einer von den jüngeren Lesern wahrscheinlich gar nicht weiß ist, daß Thomas Reußenzehn nachhaltigen Einfluß auf die deutsche Musikszene genommen hat. Er ist im Grunde sogar derjenige, der hierzulande das Amp-Tuning hoffähig machte.

Spätestens als Mitte der 80er-Jahre eine Hessen-Band vor sich selber warnte (“...zu spät..., die Hesse komme”, Rodgau Monotones), und mit von ihm modifizierten Marshall-Amps wirklich begnadete Sounds abdrückte; auf diese optisch speziell gestylten Verstärker geht im übrigen auch der Name Reu-o-Grande zurück. (In Anlehnung an das Design der Rio-Grande-Amps, die der verehrte Mr. Billy Gibbons von ZZ-Top damals knechtete).

Von da an konnte sich Herr Dipl.Ing.Reußenzehn jedenfalls vor Tuning-Anfragen kaum noch retten, was gewissermaßen der Ursprung für kommende “Meilensteine” der Röhrentechnik war. Daraufhin entstanden nämlich zwei 19-Zoll-Geräte - für die damalige Zeit als Gehäusevariante noch ein echtes Novum-, ein parametrischer Bass-Preamp und der zweikanalige Guitar-Preamp, natürlich beide in kompromißloser, von den Erfahrungen aus den Modifikationen geprägter Röhrentechnik - der Basspreamp ist in überarbeiteter MKVI-Ausführung noch heute erhältlich.

Als logische Konsequenz folgten etwa 1986/1987 zwei 19”-Röhren-Endstufen mit EL34, 2x50Watt bzw. 2x100Watt. Höchst solide und wohlklingende Teile, die neben anderen dem neuen Trend zu Einzelkomponenten und komplexeren Rack-Setups den Weg bereiteten.

Vom Gestern zum Heute, Reußenzehn bietet auch aktuell noch modifizierte Marshalls an, vornehmlich auf Basis der Reissue-Modelle JTM45 und SLP. Eigentlich sind nach dem eigenen Firmenverständnis aber die neuen Reu-o-Grande-Modelle das Maß der Dinge.

Konstruktion:

Natürlich stellt Reußenzehn seine Geräte nicht am Fließband her. Da es sich quasi durchweg um Nischenprodukte handelt, sind dafür die Stückzahlen einfach zu gering. Das Leo-Topteil entsteht gar fast ausschließlich in Handarbeit. Und logisch, das ist hie und da unübersehbar. Manches wirkt halt im Finish etwas grob, was aber auch für einen speziellen Charme sorgt.

Sie beherbergen jeweils nur wenige Teile. Rundum sind auschließlich hochwertige Bauelemente zu sehen, wie z. B. Porzellan-Röhrensockel mit versilberten Kontakten, besonders spannungsfest dimensionierte Kondensatoren, oder solide Schalter und Buchsen. Als Regler werden im übrigen Rasterpotis verwendet.

Insgesamt gesehen geht es im Inneren des Leo-Top sehr aufgeräumt zu, weil das puristische Konzept eben mit relativ wenig Aufwand auskommt. Gewußt wie, der sogenannte F-Channel, designiert für cleane Klänge, besteht im wesentlichen aus einem modifizierten Daniel-D.-Booster (-Pedal), womit Reußenzehn in der Vergangenheit schon einige Lorbeeren einsackte.

Der F-Channel arbeitet ohne Master-Volume, hat also einfach nur einen Volume-/Lautstärkeregler und eine passive Dreiband-Klangregelung. Der zweite Soundkanal produziert den schon bekannten Reu-o-Grande-Sound mit Hilfe von lediglich drei Reglern, Gain, Tone, und Master (-Volume).

Das Presence-Poti steuert die Intensität der Feedbackloop (schaltungsintern) im Bereich der Endstufe und wirkt somit auf die Wiedergabe des Verstärkers insgesamt, sprich auf beide Kanäle. Die Umschaltung zwischen den Sounds kann per Fußschalter erfolgen, oder mit Hilfe eines kleinen Mini-Switch. Als optische Anzeige dienen verschiedenfarbige Leds. Den Arbeitsvorgang selbst verrichtet ein Relais.

Schalter und FS-Anschluß befinden sich an der Rückseite des Amps, wie auch zwei Lautsprecher-Buchsen, und Send und Return des seriellen Einschleifwegs. Die Gesamtimpedanz der angeschlossen Speaker darf zwischen 2 bis 16 Ohm betragen. In der Hinsicht ist die im Class-A/B-Verfahren arbeitende EL34-Endstufe tolerant und funktioniert betriebssicher ohne die sonst übliche zusätzliche Umschaltung. (Nebenbei bemerkt lohnt es sich durchaus mit der Impedanz zu experimentieren, weil dadurch das Wiedergabeverhalten des Amps merklich variiert.

Aber bitte nur hier, denn: Noch längst nicht jeder Röhrenamp verträgt Fehlanpassungen am Lautsprecherausgang schadlos!)

Gleich noch ein Wort zu dem Effektweg.

Dieser ist schaltungsbedingt nicht in der Lage universell zu funktionieren. Der Einschleifpunkt liegt nämlich zwangsläufig an einer Stelle, an der der Return-Pegel für Vollaussteuerung der Endstufe deutlich über 0dB (775 mV) liegen muß.

Beim Einschleifen von Effektgeräten entsteht also unvermeidbar eine erhebliche Verminderung der Maximal-Lautstärke. Grundsätzlich läßt sich aber rein qualitativ mit dem FX-Weg sehr zufriedenstellend arbeiten.

Allerdings: Die optimale Lösung für so einen Amp sieht letztlich ganz anders aus. Biamping heißt das Zauberwort. Wie das, wo, warum..., das sehen wir gleich noch. Kleiner Hinweis im Ratespiel: Reußenzehn liefert zum Leo-Top nicht nur ein solides Fußschalterpedal mit, sondern auch eine D.I.-Box?!

Praxis:

Jo, krasse Optik hat der Leo, es kommt aber noch schöner, Lightshow wird auch noch mitgeliefert. Vorne rechts hinter den Gitterstäben steht eine Röhre, die man sonst nur aus richtig alten Radios o.ä. kennt: Eine EM84, nennt sich Anzeigeröhre, ist aber besser bekannt als “magisches Auge”. Das ist abgefahren, die Röhre macht deutlich, wann die Endstufe bzw. die Endröhren in die Sättigung gehen. Während des Spiels flackert also im Amp ständig diese Aussteuerungsanzeige, Leo lebt.

Und Leo ist sehr sensibel. Er zeigt in allen Lebenslagen überaus detailreich jegliche Nuance im Spiel und im Sound des Instruments. Er hat schier endlos Druck und verhält sich dabei immer extrem nebengeräuschsarm. Von daher geht das technische Konzept schon einmal vollkommen auf.

Der cleane F-Channel trägt das “F” im Namen natürlich nicht umsonst, sondern markiert damit die konzeptionelle Richtung des Sounds. Fender-Qualitäten werden verheißen, und werden auch wirklich geboten. Der Charakter ähnelt stark den Cleansounds von Twin-Reverbs, Showman-Topteilen und Pro-Reverbs der Sixties, die extrem warm, voluminös und musikalisch zu Werke gehen.

Wobei man auch diese alten Teile nicht über einen Kamm scheren darf, denn nicht jeder Blackface-Amp (schwarzes Bedienfeld) ist nun wirklich obertoll (die Bauteile durften damals bis zu 20% Toleranz aufweisen, insofern...). Leo jedenfalls verwöhnt mit warmer Transparenz und bei Bedarf sehr glasigen Höhen, ohne von sich aus schneidende, unangenehme Schärfen zu entwickeln.

Wenn es unangenehm tönt, dann liegt das an der “speziellen” Qualität des Instruments, oder der Speaker. Reußenzehn empfiehlt im übrigen als ideale Ergänzung sowas wie das Marshall-Cab 1960B. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Mein Geschmack ist die Höhenwiedergabe dieser Box nur bedingt. Ausprobieren, da muß jeder selbst entscheiden.

Resümee:

Für wen ist Leo gemacht? Ganz sicher nicht für erklärte High-Gain-Fingerflitzer a la Steve Vai und Kollegen. Für den Gitarristen in der Jazz-Fusion-Band eher auch nicht.

Nein, richtig wohl fühlt sich das neue Reußenzehn-Topteil auf dem Terrain des Blues-Rock und dem traditionellen Hard-Rock. Das gleichermaßen sensitive wie detailgetreue Soundverhalten des Topteils kommt in diesen Genres bestens zum Tragen. Leo ist halt ehrlich und produziert in Verbindung mit einem guten Instrument - und nur damit - das was man als richtig guten “Ton” bezeichnet.

Weitere herausragende Merkmale sind eine in allen Situationen sehr geringe Nebengeräuschsentwicklung und die hohe Dynamik, die selbst im obersten Grenzbereich der Endstufenleistung für machtvollen Druck sorgt. Genug geschwätzt, selber probieren: Preis und Leistung des Leo-Topteils stehen ohne Zweifel in einem gesunden Verhältnis.

Plus:

+Sound
+Dynamik/Transparenz
+Durchsetzungsvermögen
+sehr geringe Nebengeräusche
+Verarbeitung/Qualität d. Bauteile

Der komplette Test ist nachzulesen bzw. downloadbar Gitarre & Bass